Lesung zu Wolfgang Hilbig – ein Autor der Weltliteratur

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Dasein als Arbeiter und Autor, gespalten zwischen Ost und West, eingeschränkt durch Zensur, und doch großartige Werke: Am 23.09.2021 hörte die elfte Klasse eine Lesung zum Leben und Werk von Wolfgang Hilbig – leidenschaftlich und abwechslungsreich präsentiert von zwei seiner Zeitgenossen, die ihn persönlich kannten.
Die Heimatstadt Meuselwitz, Repressalien, sein Krebsleiden und schließlich sein Tod 2007 - all das beeinflusste Hilbigs Lebensweg. Und dennoch hinterließ er der Welt zahlreiche, wertvolle, literarische Werke. Durch die Lesung haben wir einen interessanten und zugleich unterhaltsamen Einblick in seine Biografie und Literatur bekommen, indem abwechselnd von seinem Lebensweg und seinen Werken vorgetragen wurde. Doch damit nicht genug: Besondere Höhepunkte in der Vorstellung bildeten selbstgeschriebene Lieder, die einer der Referenten live vorsang und dabei mit Akkordeon/Gitarre begleitete.


Wolfgang Hilbig, geboren 1941, war geprägt von seinem Heimatort durch die Grausamkeiten des NS-Regimes, die er dort mitbekam und Zeit seines Lebens auf sich bezog. Er war nach eigener Aussage ein Mensch mit zwei Berufen: Arbeiter (genauer gesagt betrachtete er sich sogar als Diener der Arbeiter) und Schriftsteller – kein „Arbeiterschriftsteller“, wie die DDR ihn vielleicht gern gehabt hätte. Das und die Tatsache, dass er ein DDR-Regimekritiker war, führte immer wieder zu Problemen: Unverständnis, Ablehnung, Zensur, sogar eine Verhaftung. Trotz dieser Schwierigkeiten gelang es ihm – maßgeblich durch die Verbreitung seiner Werke in Westdeutschland – in der Weltliteratur Fuß zu fassen und zahlreiche Auszeichnungen zu erhalten.
Auch der kleine Ausschnitt aus Hilbigs Lyrik, der uns bei dieser sehr anschaulichen Vorstellung präsentiert wurde, war passend ausgewählt, sodass, auch wenn wir als Schüler nicht nach einmaligem Hören eines Hilbig-Gedichtes seine komplette Bedeutung zu erfassen vermögen, dennoch die Intention der Werke verständlich wurde.
Neben lyrischen Werken wurde auch eine Geschichte gelesen, deren Thema – eine weitere Schwierigkeit Hilbigs: Alkoholismus – zwar eher düster ist, aber zum Vorschein bringt, dass der Autor nicht nur ein begabter Dichter, sondern auch ein talentierter Verfasser von Prosatexten war: Das grüne Meer aus Flaschen, welches im Fortgang der Erzählung immer mehr zu einer eigenen Persönlichkeit mutiert, macht deutlich, welche Gefühlswelt, die Hauptfigur (mit der sich der Hilbig wahrscheinlich identifiziert) durchlebt.
Am besten gefallen haben mir die eigenen Musikstücke, welche der Verfasser damals geschrieben hat, beispielsweise ein Abschiedslied für Hilbig vor dessen Umzug. Durch diese, außerordentlich ausdrucksstark vorgetragen, bekamen wir nicht nur Fakten präsentiert, sondern einen echten Eindruck. Mit Gefühlen. Ich persönlich empfinde es als beeindruckend, dass der Vortragende etwas so privates mit uns geteilt hat.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Lesung durch die verschiedenen Vorstellungsweisen (Biografie, Gedichtvortrag, Musik) sehr schülerfreundlich und anschaulich gestaltet war. Für mich ist dieser interessante Einblick in Leben und Werke von Wolfgang Hilbig eine angenehme Ergänzung zum Deutschunterricht gewesen.

Amelie Zschau
Schülerin Jahrgang 11

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